»Der hässliche Zwilling« - Ein Vorwort von Walter-Jörg Langbein

»In der Januarnacht waren zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen. Antonius Löbbering betrachtete mit sorgenvollem Gesichtsausdruck die weiße Pracht, die sich um sein Kötterhaus ausgebreitet hatte.«

So beginnt Tuna von Blumensteins Kriminalroman »Der hässliche Zwilling«. Für einen Moment könnte man glauben, dass die Autorin vor dem winterlichen Idyll eine kitschige Liebesgeschichte in Szene setzen wird. Doch wer schon Tuna von Blumensteins Krimi »Der Tote im Zwillbrocker Venn« gelesen hat, der weiß: von der Autorin mit dem klangvollen Namen ist alles, nur keine süßliche Schnulze zu erwarten.

»In der Januarnacht waren zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen.« So beginnt Tuna von Blumensteins Krimi. Und bald schon färbt Blut die weiße Pracht rot. Ganz im Stil von Agatha Christies »Mord im Orientexpress« werden wir in eine kleine Welt eingeführt, die sich eine überschaubare Zahl von Menschen teilen.

Bald schon wissen wir: So schön unschuldig weiß die Schneepracht auch ist... so düster sind die Geheimnisse der Menschen. Bald schon beginnt man zu zweifeln: Wer sind die Guten? Wer sind die Bösen? Wer ist Täter, wer ist Opfer? Tuna von Blumensteins Krimi beginnt in weißer Schneepracht... als er endet, schmilzt der Schnee dahin. Es ist, als würde mit der Schneedecke ein Tuch weggezogen, dass so manches Geheimnis bedeckt hatte.

Das Ende überrascht. Am Ende wird nicht der »Böse« vom »Guten« … »zur Strecke gebracht«, am Ende klärt sich alles auf – auf unerwartete Weise.

 Ich habe »Der hässliche Zwilling« zweimal gelesen. Das erste Mal hastete ich von Seite zu Seite, weil ich so schnell wie nur möglich erfahren wollte, wer denn der Mörder war. Und dann machte ich mich gleich ein zweites Mal an den Krimi, las lustvoll und genießerisch… achtete auf viele »kleine Hinweise«... und erkannte, wie kunstvoll die Autorin ihr Krimi Garn gestrickt hat.


Sie kommt ohne vordergründiges Gemetzel abstoßender Splatter-Krimis aus... und beschreibt doch die harten Seiten der Verbrechen auf packende Weise. Sie erspart uns überflüssige Details... und liefert dennoch eine spannende Fülle von Informationen. Sie regt unsere Fantasie an... führt uns mit geschickter Hand durch das Szenario ihrer Krimiwelt, in der vieles nicht so ist wie es scheint.

»Der hässliche Zwilling« ist ein gutes, im besten Sinne des Wortes spannendes Stück moderner Kriminalliteratur, ohne falsche Moral... und lässt uns nachdenklich zurück: Was ist gut? Was ist böse? Kann Böses verständlich, ja akzeptabel sein? »Der hässliche Zwilling« ist jedenfalls nicht »akzeptabel«, er ist gut. Er ist nicht prätentiös. Er bietet gute Unterhaltung... und macht Lust auf weitere Werke von Tuna von Blumenstein....